Bevor ich nach Japan gefahren bin, kannte ich dieses Land durch Sushi, Ramen, Messer und Animes. Als ich zurückkam, war das, was mir im Gedächtnis blieb, weit mehr als nur Rezepte.
Japan zeigte mir, was Disziplin, Einfachheit und lebenslange Meisterschaft in der Küche bedeuten.
Meisterschaft kennt kein Alter
Eines der Dinge, die mich in Japan am meisten beeindruckt haben, waren die älteren Meister.
Menschen, die 70, 80 und sogar fast 90 Jahre alt sind und jeden Tag noch immer ihre Läden öffnen, denselben Platz hinter dem Tresen einnehmen und die Arbeit fortführen, die sie seit Jahren machen.
Manche haben ihr ganzes Leben lang nur Sushi gemacht.
Manche rollen seit Jahrzehnten denselben Nudelteig aus.
Während im Westen die Rente ein Ziel ist, scheint Meisterschaft in Japan eine lebenslange Reise zu sein.
Für viele der Köche, die ich dort sah, war die Arbeit nicht nur Gelderwerb — sie war Teil ihres Charakters.
Wiederholung vor Perfektion
Beim Beobachten der Bewegungen eines Sushi-Meisters wurde mir klar, dass es nicht um Kreativität geht — sondern um Wiederholung.
Dieselbe Bewegung. Dieselbe Präzision. Jeden Tag. Jahrelang.
Vielleicht liegt das Geheimnis des Erfolgs der japanischen Küche genau hier.
Jeden Tag ein kleines bisschen besser werden.
Tempura: Eine viel größere Welt als ich dachte
Bevor ich nach Japan gefahren bin, dachte ich bei Tempura nur an frittiertes Gemüse oder Garnelen.
Dort sah ich, dass es sich um ein eigenständiges Fachgebiet handelt.
Manche Restaurants machen ausschließlich Tempura.
Die Temperatur des Öls, die Konsistenz des Teigs, die Temperatur des verwendeten Wassers und sogar der Zeitpunkt des Servierens werden akribisch kontrolliert.
Hinter einem Gericht, das einfach aussieht, stecken Jahre der Erfahrung.
Diese Herangehensweise erinnerte mich daran, dass in der Küche die Dinge, die einfach aussehen, tatsächlich die schwierigsten sind.
Einige der besten Backwaren der Welt gibt es in Japan
Wenn die meisten Menschen an japanische Küche denken, kommen ihnen Brot oder Gebäck nicht in den Sinn.
Aber die Croissants, Milchbrote und Backwaren, die ich in Japan gegessen habe, haben mich wirklich überrascht.
Sie haben französische Techniken übernommen, mit ihrer eigenen Disziplin kombiniert und eine außergewöhnliche Qualität daraus gemacht.
Die Sorgfalt und Präzision, die ich in vielen Bäckereien sah, ließ die besten Konditoreien Europas blass aussehen.
Eine Küche offen für die Welt
Ein weiterer Aspekt Japans, der mich überraschte, war, wie offen es gegenüber dem Rest der Welt war.
Italienische Restaurants. Französische Bistros. Amerikanische Burgerläden. Koreanische Küche. Chinesische Küche.
Aber keines davon war eine direkte Kopie.
Die Japaner nehmen eine Idee, führen sie durch ihre eigene Kultur und interpretieren sie neu.
Das Ergebnis ist etwas, das sowohl vertraut als auch vollständig japanisch ist.
Sogar Ketten passen sich an
Das gilt nicht nur in Restaurants.
Man sieht es sogar in internationalen Ketten.
Betritt man eine Burgerkette, findet man dort Produkte, die es nur in Japan gibt.
In Supermärkten und Cafés herrscht dieselbe Herangehensweise.
Sogar globale Marken müssen sich an die japanische Kultur anpassen.
Das zeigt, wie stark die gastronomische Identität des Landes ist.
Respekt vor den Zutaten
Nach all diesen Erfahrungen wurde mir folgendes klar:
Japans Stärke liegt nicht in seinen Techniken.
Sie liegt in dem Respekt, den es seinen Zutaten entgegenbringt.
Eine Tomate ist nicht einfach eine Tomate. Ein Fisch ist nicht einfach ein Fisch. Sogar ein einzelnes Reiskorn hat Bedeutung.
Und ich glaube, genau hier beginnt die universelle Sprache guten Kochens.
Die Rückkehr nach Kaş
Ich bin nicht mit neuen Rezepten aus Japan zurückgekommen.
Aber ich habe gelernt, genauer hinzusehen.
Ich habe gelernt, einem Produkt die Zeit zu geben, die es verdient.
Und ich habe gelernt, dass der Weg, besser zu kochen, manchmal nicht darin liegt, mehr Dinge hinzuzufügen, sondern weniger zu tun.
Heute sehe ich in vielen der Gerichte, die ich in Kaş zubereite, die Spuren dieser Einfachheit und dieses Respekts, die Japan mir gelehrt hat.
Siehe auch: Anneannes Antep-Küche · Ist ein Privatkoch seinen Preis wert? · Privatkoch in deiner Villa in Kaş · Familien-Kochworkshop in Kaş